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Juli 13, 2013

gestern


ich erinnere mich an dein haar
ich erinnere mich an deine hände auf dem klavier
ich erinnere mich an dein bücherregal
ich erinnere mich an dein gelächter
ich erinnere mich an dein erstes geschenk
ich erinnere mich an dein schlafgesicht
ich erinnere mich daran, wie du meinen namen sagtest
ich erinnere mich an dein rotes hemd
ich erinnere mich an dein fahrradklingeln
ich erinnere mich an deinen blick aus blumenaugen

ich erinnere mich immer wieder


Mai 18, 2013

gabe


hemd
dein rotes hemd
dein rotes hemd mit der borte

mein hemd
mein rotes hemd
machte ich dir 
zum geschenk

körper
dein körper
dein duftender körper
in die borte verwoben

hemd
unser hemd
unser rotes duftendes hemd
legst du mir vor die tür



März 17, 2013

liebesfreud und liebesleid


Erste worte:
ich zeig dir meinen garten.
darf ich Sie interviewen.
ist hier noch frei.
träfen wir uns, träfen wir uns?
ja und nein.
ich würde satie spielen.
komm schon um sieben.

sie nannten MICH:
mona lisa
beckmesserchen
meine sonne
madonna
frau mittagsschlaf
gräfin tabea
silbernes pony

zwischenWorte:
unmöglich, dass du hier zu ende bist.
einsilbig - das korn scheint rot fast gold zu staub schier blind das glas vom flug im sand.
fürchte ja dich nicht, doch mich meiner.
weg ist auch ein ort. da bist du.
wer schreit, knirscht nicht mit den zähnen.
heute wollte mich einer begreifen. ich bin nicht zu hause, erwiderte ich.
sei klug, bleib dumm.

ich nannte SIE:
herr kapitän
kaleidoskop
mein einziger adam
schattenbeherrscher
northern lad
jupiter du
ein kobold

letzte wortE:
mach’s dir selbst.
wenn ich bleibe, sterbe ich.
du bist der welt liebste frau, doch muss ich jetzt gehen.
in zehn minuten bist du hier raus.
deine liebe war hollywood.
nimm dir was vor.
dich werd ich wieder suchen.


August 08, 2012

für p.


meine kleine stadt liegt am rande der großen
und dennoch ist sie viel älter

meine kleine stadt spielt ganze landschaft
mit berg und fluss und horizonten

meine kleine stadt hat zu oft komplexe
und dennoch bläht sie die brust

meine kleine stadt lädt zum spazieren
in träumende gärten und stolze paläste

meine kleine stadt macht mich wütend
und wartend und manchmal nur lächeln

meine kleine stadt ist mir eine insel
und dennoch ist sie ein meer

Juli 13, 2012

und heute


strahleninstitut am morgen und
rippenprellung, kein bruch und
fünfundsiebzig seiten in vier stunden und
endlich überweisung und
drei puffer mit zucker und
pause
augen zu und durch
zweite schicht mit kaffee und
ein gruß aus neapel und
mit dem rad zur apotheke und
brot milch handvoll aprikosen und
der park zu voll und
foto am ufer und
zurück und
zähneputzen
lesen und gebet und
schlafen
 

Juli 11, 2012

jedes recht


wir haben jedes recht
zu klagen
zu lachen
zurückzufordern

jedes recht
maßstäbe zu legen
kredite zu kündigen
wahrheit zu schreien
auf uns zu pochen
ICH zu sagen

jedes recht
uns schlecht zu fühlen
uns ins licht zu setzen
uns zu erheben
glücklich zu sein

jedes recht

Mai 31, 2012

auf grund


scherben sammelte ich
geschliffene, von sand gerundete
dir gefunden an ufern
weil du sie mochtest

bis ich begann, sie für mich zu bergen
souvenire halfen uns nicht

nun reden sie mir im kästlein von
kreuzfahrern von
gelagen und bordwänden von
sturm und koordinaten über dem horizont

erblindet in währender brandung
hüten sie dennoch stolz ihr geheimnis
 

Februar 11, 2012

weberplatz


kohl und salat hinter planen
forellen im eisbett
die händler vermummt

glühwein statt spreewälder gurken
sechs ostbrötchen hier für ’ne mark
stapel gelesener bücher
thüringer blutwurst original

mit steifen fingern
wechseln ware und geld
der markt blumenleer

Oktober 21, 2011

hominisation


den tod des schakals besingen.
ihn als trophäe küren zur blutigen siegesfahne.
er bleibt rechtfertigung.
uns ein spiegel.

menschen sind.
sind so menschen.
so sind menschen.

Oktober 07, 2011

heizen


früher
ging vater hinab in den keller
für unsre fünf zimmer kohlen zu holen
beim abstieg trug er die eimer mit asche zur tonne
den langen winter über
saßen wir abends am kachelofen
legten bratäpfel in die röhre
oder wärmten bettsocken vor 

heute
drehe ich am ventil 
stehen schalen mit wasser gefüllt auf dem rost
schlafe ich barfuß im hemd 
bei offenem fenster
und träume von äpfeln mit zimt


September 27, 2011

wenn ich schreibe


werde ich beckmesser
häutig
entweder oder
mir unerbittlich

schlafe ich nicht
esse ich nicht
bin ich mir fremd

wenn ich schreibe

war ich ersehnte geliebte
bezaubernd
vergebend
auf einer insel
fiel ich dir in den rücken

wenn ich schreibe

verrate ich dich
fress ich dir aus der hand
okkupierst du mich
ersuchend um einlass in gärten
sage ich du zu mir

wenn ich schreibe


September 18, 2011

für m.


mit fischen reden
am abend
wenn der wind landeinwärts lenkt
bevor dein haar trocknet

mit fischen reden
über nacht
während boote von feuern geleitet
in häfen finden

mit fischen reden
vor morgen
um deine nachricht zu flechten
in netze vor anker


September 17, 2011

nach berlin


früher
stiegen wir in den sputnik
mutter und ich
saßen oben im doppelstockzug
der stank nach urin und wir froren
er fuhr jede stunde
einmal im östlichen bogen über die dörfer
bis karlshorst
sollten stiefel kaufen oder eine winterjacke
in den rathauspassagen am alex
fiel die entscheidung auf eine hose
hauptsache passend

     heute
     nehm ich die stadtbahn im zehnminutentakt
     auf weichen bänken gleite ich warm
     über wannsee und zoo bis zum fernsehturm
     schuhe und mäntel an jeder ecke
     unfassbar teuer oder geschenkt 
     tränenpalast zieht ins museum

September 16, 2011

septemberabend


wie über die webichtkante das mondlicht eilt
uns in betrachtung versetzt
wortreich und stumm

wie sich aus dunkel umrisse zeichnen
staudenkronen mit diademen benetzt
kurzes schlagen der fledermaus

wie wir einander die hände halten
unter der alten pflaume
hälftig entkommen dem sturm

wie wir nicht fragen was war und sein wird
in dieser stunde
wir bergen die frucht

September 14, 2011

abhängigkeit


glieder
glieder an fäden
deine glieder an fäden geknüpft
glieder an fäden geknüpft und schritte im kreis
an fäden


augen
augen in höhlen
leere augen in höhlen gefangen
augen in höhlen gefangen und enge maschen
in höhlen


bühne
bühne im dunkel
verkaufte bühne im dunkel
bühne im dunkel und vorhang gefallen
im dunkel gefallen

September 13, 2011

einhalt


folgend
dem echo tonloser silben
vor stunden, eben oder tage zurück
räumtest du unser feld ohne verzicht

seitdem
   liege ich wiegend
     den mantel aus glas um die schultern
       gekrümmt auf ein bodenloses

   kriechen rinnsale wände entlang
     bleiben flügelfenster verhakt ineinander
       brennt glut entschlossen scheiben hindurch

in schwaden gehüllt
verweigere ich den anflug jeder kontur


August 26, 2011

Heimat


Steinplatten der unsanierten Straße
Bäume im Park von Sanssouci
Himmel meiner Stadt am Sommerabend
der braune Krug mit DDR im Boden
Pilze mit Petersilie
Suppenrezept der Mutter
und Großmutters alter Eierbecher

Heimat
im Sprechen meiner Brüder
in ihren Witzen und Ausreden
schwarz-weiße Kinderfotos
Bücher von Christa Wolf
und mein Kopfkissen

Juli 08, 2011

reise


ach, könnt’ ich schlafen und wandern
ohne zeit und begrenzung
über wiesen und inseln, auf berge, durch wüsten
könnt’ ich suchen und staunen
mit zwergen und riesen küsten entlang.

könnt’ ich sitzen an tischen
sprechen mit jedem und
sagen mir lassen das Eine.

könnt’ ich tanzen auf landkarten
spielte einer mir die melodie -
müsst’ ich nicht warten allein
zu reisen ins paradie.

März 28, 2011

perfekt


das alles ist noch eingepflanzt
in meinen wachen atem
ein heller irrtum
es sei ausgerissen
überwuchert
hingelassen
nach sieben regen eis und licht

das alles glaubte ich verloren
getaucht in reife kammern
mit seiden ausgeschlagen
netzumwunden
festgezurrt

nur einmal umgeblättert
dem welken grün mit geste salutiert
nimmt jener duft mich müde zu sich
und fruchtet
wo er nie erblüht

März 01, 2010

für b.


augen aus blumenblauer trauer
dein haarbraun abends schwarz wie lakritz
du duftest nach kuchen
ratlos
und erzählst einen witz

am roten hemd eine borte
die hast du selbst genäht
mit tasten webst du einen teppich
ich lege mich auf ihn
und fürchte zu landen
warum sagst du spielen dazu?

schwer
steigst du in die pedale
segelst hinab
vielleicht an den see
die enten zu füttern

dreh dich nicht um